FREIWILLIGE FEUERWEHR OBERAU

 

Historischer Abriss

 

Die Geburtsstunde der Freiwilligen Feuerwehr Oberau schlug am 1. Oktober 1890. Damals fanden sich 37 Oberauer Männer zusammen und gründeten die Wehr in ihrer heute noch existenten Form. Als Einsatzgeräte standen die oben erwähnte Handdruckspritze (Aufschrift: „ Oberau 1876“), einige Holzkübel und 220 Meter Schlauch zur Verfügung.

 

Josef Löcherer sen. hatte damals die Aufgabe des Kommandanten inne. Erster Vorstand war der damalige „königliche Posthalter“ Josef Demmel. Zusätzlich gehörten dem Verwaltungsrat der Adjutant (stellvertretender Kommandant), Kassier, Schriftführer, Zeug-/Gerätewart, Vereinsdiener sowie die jeweiligen Führer des Steiger-, des Spritzen- und des Schlauchhaspelzuges an. Das notwendige Gerätehaus, ein kleiner Massivbau mit zwei Toren, stand zu damaliger Zeit nach Überlieferung auf dem „Steiner-Gelände“, in etwa dort, wo sich auf Höhe des Schmiedewegs in Fahrtrichtung Süden die Straßenverbindung von der Bundesstraße B 2 zur B 23 befindet.

 

Ein ganzes Jahrhundert und ein weiteres Vierteljahrhundert alt ist damit die Freiwillige Feuerwehr Oberau im Jubiläumsjahr 2015. Doch es gibt deutlich frühere Belege für das Feuerlöschwesen in unserer Gemeinde. Bevor im Jahre 1811 die erste staatliche Brandversicherung ins Leben gerufen worden ist, dürfte das Feuerlöschwesen in Oberau wohl ähnlich geregelt gewesen sein, wie dies auch in den Chroniken der Gemeinden Garmisch und Partenkirchen belegt ist. Damals musste jeder Hauseigentümer, je nach finanzieller Lage und Anwesensgröße, einen oder mehrere lederne bzw. hölzerne Löscheimer bereithalten. Im Brandfall mussten diese Löscheimer sowie eventuell vorhandene Leitern zur Einsatzstelle gebracht werden. Alle männlichen Einwohner waren zur Hilfeleistung verpflichtet. Das war damals übliche Nachbarschaftshilfe.

 

 

Vor 1811 konnte in Oberau jeder Brandgeschädigte einen Kredit aus dem Vermögen der Filialkirche St. Georg in Anspruch nehmen. Hinter seinem Namen wurde dann bei Inanspruchnahme eines solchen Kredits das Wort „Abbrändler“ im Schuldnerverzeichnis des „Capitalienbuches St. Georg zu Au“ vermerkt. Mit der Rückzahlung des Kredits konnte sich der Betreffende meist Zeit lassen.

 

In der Bezirksbrandverordnung des Jahres 1812 ist bereits niedergelegt, dass auch die „Feuerwehr aus Oberau“ zum Löschen auszurücken hat, sollte das Schloss in Murnau brennen. Folglich muss es hier am Ort bereits eine Art „Feuerwehr“ existiert haben.

 

Aus dem Jahr 1830 ist erstmals belegt, dass die Gemeinde Oberau eine mechanische Feuerspritze nebst hölzernen Löscheimern zum Befüllen angekauft hatte. Über deren Verbleib bzw. Art und Ausführung konnten noch keine Erkenntnisse gewonnen werden.

 

In der Ortschronik der Gemeinde Partenkirchen ist nachzulesen, dass „Oberauer Männer „ (Anmerkung des Verfassers: Feuerwehrmänner) beim großen Brand in der Ludwigstraße im Jahre 1865 in die Löscharbeiten eingebunden waren.

 

Die Gemeinde Oberau beschaffte 1876 eine neue Handdruckspritze mit Sauger. Sie konnte auch vor Pferden vorgespannt und damit zu entfernteren Einsatzorten geschafft werden.

1888 wurde die Pflichtfeuerwehr eingeführt, wobei ein Mannschaftsstand von je acht Wehrmännern (Anmerkung: pro Löschzug) vorhanden war.

 

 

Belegt ist, dass am 9. April 1905 die Freiwillige Feuerwehr Oberau eine fahrbare Steigleiter mit einer Steighöhe von zehn Metern bei der Nürnberger Firma Braun gekauft hat. Der Kaufpreis belief sich auf 650 Mark. Die Leiter wurde Anfang Juni des selben Jahres geliefert. Die Kosten übernahm der Feuerwehrverein zum Großteil aus der eigenen Kasse.

 

Lange blieb Oberau vom „Roten Hahn“ verschont. Beim ersten großen Brand der „ Fabrik Kienzerle“ (Vorgänger der späteren Papier- und Pappefabrik) im Jahre 1933 wurden die örtlichen wie auch die Löschgeräte sämtlicher Nachbarwehren dringend benötigt. Eine erste Motorspritze, von der bislang weder Typ noch Hersteller bekannt sind, wurde 1936 für Oberaus Feuerwehr bestellt und 1937 ausgeliefert. Im Schriftführerbericht jenes Jahres ist nachzulesen, „dass ganz besonders das zuvor beschaffte Schaumlöschgerät und die „Stein-Düse“ ein wesentlicher Fortschritt waren…“.

 

Mit diesen Gerätschaften dürfte die Effizienz im Löscheinsatz enorm gesteigert worden sein. Beim Großbrand im „Oberauer Sägewerk Poettinger“, ebenfalls 1936, konnte die Schlagkraft bereits unter Beweis gestellt werden. Die im Sägewerk vorhandene Lackierungsabteilung brannte lichterloh und das Feuer drohte auf das gesamte Werk überzugreifen, was jedoch dank der neuen Technik verhindert werden konnte.

 

Erste „Führerbefehle“ lagen wie ein Schatten über das Jahr 1937. Die Mannschaftsstärke musste auf „… allerhöchste Anordnung…“ auf 34 Mann reduziert werden. Diese Mannschaft hatte befehlsgemäß auch als Polizeitrupp zu fungieren. In den Jahren des folgenden Zweiten Weltkrieges mussten immer mehr Wehrmänner an die Front. Der Mannschaftsstand schrumpfte zusehends. Das Feuerwehrwesen war auf Befehl durch je eine Jung-, eine Einsatz- und eine Altersabteilung ab dem 1. April 1939 aufrecht zu erhalten gewesen.

 

Wie überall im Land mussten auch Männer unserer Wehr in Hilfseinsätzen zu Löscharbeiten bis nach München ausrücken. In Oberau hatten die verbliebenen aktiven Feuerwehrangehörigen mit Luftschutzalarmübungen und Vollappellen alle Hände voll zu tun. Bei den großen Hochwassereinsätzen am 30./31. April 1940 und im Jahr 1943 funktionierte die „Polizeitruppe der Feuerwehr Oberau“ reibungslos. Auf alten Bildern ist zu sehen, dass Oberau damals einer Insel im „Loisachsee“ glich.

 

Schon bald nach dem Kriegsende wurde die Oberauer Feuerwehr weiter ausgestattet. 1947 konnte eine Motorspritze von der Firma „ Ziegler“ samt 120 Meter B- und 115 Meter C-Schlauchlänge erworben werden.

 

1953 begann die Gemeinde Oberau im Rathaus am Schmiedeweg ein neues Feuerwehrgerätehaus zu errichten. Das alte, welches zwischenzeitlich auf dem Gelände des jetzigen Schulhaus-Querbaues eingerichtet worden war, war für die anwachsende Zahl der Gerätschaften zu klein geworden. Leider ist über den Verbleib der alten Pumpen und Geräte bis dato nichts bekannt. Schon 1954 konnte die neue Feuerwehrunterkunft bezogen werden. Im gleichen Jahr erwarb die Gemeinde von der Nachbarwehr Partenkirchen eine fahrbare Motorspritze, wofür eine schnellstmögliche Einschulung der Kameraden von Nöten war.

 

Mit dem Erwerb eines Löschgruppenfahrzeuges der Firma MAN, ein LF 16 TS mit ausschiebbarer Tragkraftspritze im Jahre 1963 war die Oberauer Wehr mit dem damals modernsten Löschfahrzeug im Landkreis ausgerüstet. Siebzehn Jahre später, im Jahr 1980, musste die Gemeinde wieder einen größeren Betrag zum Brandschutz aufwenden. Nach langem Für und Wider wurde ein Tanklöschfahrzeug „TLF 16/25“ der Firma Daimler Benz beschafft. Der Preis betrug rund 220.000 Deutsche Mark. Es ist überliefert, dass der damalige Kommandant Martin Simond im Falle der Fahrzeugneubeschaffung gelobt hatte, barfuß über die „Alte Ettaler Bergstraße“ nach Ettal zu wallfahren. Dieses Gelöbnis hat er dann auch pflichtbewusst eingelöst.

Als dieses Tanklöschfahrzeug mit elektrohydraulischem Rettungssatz (Schere und Spreizgerät) nachgerüstet worden war, rückte die Feuerwehr Oberau nach entsprechender Einweisung und Fortbildung am 1. Dezember 1989 erstmals auch außerhalb unseres Ortsgebietes auf die Bundesstraße 2 aus, um eine verunglückte und eingeklemmte Person aus einem Kraftfahrzeug zu retten.

 

Der Fuhrpark der Freiwilligen Feuerwehr Oberau wurde 1993 durch den Erwerb eines Mehrzweckfahrzeuges (VW-Bus) ergänzt.

 

Viel Überzeugungsarbeit, langwierige Verhandlungen und engagierte Eigenleistungen machten den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses an der Unterfeldstraße 14 möglich. Bezugstermin war der 20. Juli 1998. Schon längst war die bisherige Bleibe im Rathaus zu klein und nicht mehr zeitgemäß. Aus dem Bestand des Bundeskatastrophenschutzes wurde ein LF 16 TS in Oberau stationiert. Dieses Löschgruppenfahrzeug, Bj. 1988, Fahrgestell Iveco Magirus mit Lentner-Aufbau, erhielt im Zuge der Gerätehausweihe den kirchlichen Segen und wurde in Oberau in den Feuerwehrdienst übernommen. Eine Ersatzbeschaffung nimmt der Bund pünktlich zum Jubiläum im September 2015 vor. Dann wird es ein Löschgruppenfahrzeug (LF-KatS) auf einem Mercedes-Benz (Atego-Fahrgestell Typ 1323) sein. Den Aufbau hat die Firma Ziegler vorgenommen.

 

Als 2006 die Oder wieder über die Ufer trat, wurde nach Ausrufung des Notstandes das bisherige Bundesfahrzeug LF16 TS samt einer Löschgruppe der Feuerwehr Oberau für etwa eine Woche zu Hilfeleistung abkommandiert. Hochwassereinsätze gab es reichlich vor der eigenen Haustür, wenn die Loisach wieder über die Ufer trat.

 

Nach Auflösung der Herzberger Verpackungswerke (vormals Papier und Pappe Oberau) wurde der Oberauer Feuerwehr ein Tragkraftspritzenanhänger (TSA), mit Einbauten der Firma Ziegler und Baujahr 1960, von der aufgelösten Werksfeuerwehr überlassen und in den Dienstbetrieb übernommen, wo der aktuell noch immer im Einsatz ist.

 

Ein nicht unerheblicher Teil der jährlichen Einsätze entfällt auf die Beseitigung von Treib- und Schmiermitteln auf der Bundesstraße B 23 am Ettaler Berg. 1999 kaufte die Freiwillige Feuerwehr Oberau aus Eigenmitteln einen Pkw-Anhänger der Firma Heinemann (750 kg) mit Planenaufbau, um größere Mengen Ölbindemittel, Verkehrsleitkegel, Warntafeln und Reinigungsgeräte zeitnah an die Einsatzstellen transportieren zu können.

 

Ein Lkw-Mehrzweckanhänger mit Tandem-Achse der Firma Humbaur, Typ L661 (2500 kg), und erhöhten Bordwänden zum Transport von Tragkraftspritze, Gitterboxen und auf Euronorm-Paletten verpacktem Einsatzgerät wurde im Jahr 2008 zusätzlich beschafft.

 

2012 war ein Ersatz für den VW-Bus der Feuerwehr notwendig. Die Firma Öttel nahm auf einem neuen Mercedesfahrwerk den Aufbau vor. Es handelt sich um ein allradbetriebenes Mehrzweckfahrzeug mit Ladebühne und Seilwinde samt Lade-Rollcontainern. Die kirchliche Weihe fand am 6. Juli 2012 statt. Der Anschaffungspreis betrug rund 130.000 Euro. Neben dem Staatszuschuss leistete unser Feuerwehrverein einen Beitrag in Höhe von 10.000 Euro, welche bei einer eigens hierfür durchgeführten Haussammlung zusammengetragen werden konnten. Die restlichen Kosten übernahm die Gemeinde Oberau.

 

Ein vom Landkreis bezuschusster Verkehrssicherungsanhänger im Wert von ca. 15.000 Euro wurde an diesem Tag ebenfalls geweiht und seiner Bestimmung übergeben

 

Nachdem das bisherige Tanklöschfahrzeug deutlich in die Jahre gekommen ist, war trotz pfleglichem Umgang eine Ersatzbeschaffung unumgänglich. Die Gemeinde entschloss sich 2015 zum Auftrag für ein Löschgruppenfahrzug „LF 20“. Auf einen MAN 15.290 erfolgte der Aufbau durch die Firma Rosenbauer. Auch dieses Fahrzeug wird bei der 125-Jahr-Feier den kirchlichen Segen empfangen.

 

2009 wurde Florian Schindlbeck zum Kommandanten und Willibald Wackerle zum Vorsitzenden des Feuerwehrvereins gewählt. Im Jubiläumsjahr hat die Freiwillige Feuerwehr Oberau 62 Feuerwehrdienstleistende, darunter eine Frau.

 

 

   

Der Heimat zum Schutz,

dem Feuer zum Trutz,

Gott zur Ehr’,

den Nächsten zur Wehr

 

 

Oberau, 27.08.2015

 

Verfasser:

Horst Krammer

bearbeitet und fortgeführt Wolfgang J. Rotzsche